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Im Schulalltag bleibt oft zu wenig Zeit, um individuell auf Schülerinnen und Schüler einzugehen – ein Problem, das viele Lehrkräfte kennen. Genau hier setzt das Würzburger Startup Living-Lines an: Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz unterstützt die App Lehrkräfte dabei, individuelles Lernen im Mathematikunterricht besser zu ermöglichen.
Die Idee entstand aus persönlicher Erfahrung. Gründer Jakob Seitz wuchs in einem Lehrerhaushalt auf, in dem regelmäßig über Herausforderungen im Bildungssystem diskutiert wurde. Gemeinsam mit seinem Kollegen Tobias Lengfeld entwickelte er daraufhin eine Lösung, die Lehrkräfte entlastet und gleichzeitig Lernende gezielt fördert.
KI erkennt handschriftliche Rechenwege
Kern der Anwendung ist eine KI, die handschriftliche Rechenwege analysieren und verstehen kann. Lehrkräfte fotografieren Aufgaben, die Software wandelt diese in digitale Arbeitsblätter um. Schülerinnen und Schüler bearbeiten sie anschließend handschriftlich auf Tablets. Bei Fehlern gibt die App direkt Feedback – ohne die Lösung vorwegzunehmen.
Das Besondere: Die KI erkennt nicht nur Ergebnisse, sondern auch den Lösungsweg. Dadurch entsteht ein Lernerlebnis, das sich für viele wie individuelle Betreuung anfühlt.
Enge Zusammenarbeit mit Schulen
Seit dem Start der Entwicklung im Jahr 2024 arbeitet das Team eng mit Schulen zusammen. Living-Lines ist bereits an mehreren Gymnasien in Schweinfurt, Würzburg und Hösbach im Einsatz.
Die Rückmeldungen fallen positiv aus: Lehrkräfte berichten von deutlich reduziertem Korrekturaufwand und mehr Zeit für persönliche Betreuung im Unterricht. Gleichzeitig profitieren heterogene Klassen, da sowohl stärkere als auch schwächere Lernende passgenaue Unterstützung erhalten.
Förderung und Zukunftsvision
Seit Januar 2026 wird das Gründerteam durch drei EXIST-Gründungsstipendien des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert, kofinanziert durch den Europäischen Sozialfonds. Die Förderung ermöglicht es dem Team, sich ein Jahr lang voll auf die Weiterentwicklung der App und die Vorbereitung des Markteintritts zu konzentrieren.
Unterstützt wird das Startup zudem durch die Universität Würzburg, insbesondere den Lehrstuhl für Computer Vision unter der Leitung von Professor Radu Timofte sowie die Gründungsberatung des Servicezentrums Forschung und Technologietransfer.
Bis Ende 2026 will das Team Living-Lines weiter ausbauen, zusätzliche Schulen gewinnen und die App funktional erweitern – etwa durch Gamification-Elemente. Langfristig verfolgt das Startup ein klares Ziel: den Unterricht so effektiv zu unterstützen, dass weniger Nachhilfe nötig ist und Schülerinnen und Schüler Inhalte direkt im Unterricht nachhaltig verstehen.
Das Potenzial von Living-Lines wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.