Geschwindigkeit. Daten. KI. Drei Begriffe, die den 12. Juni 2026 im Literaturhaus München geprägt haben und die zeigen, wie fundamental Künstliche Intelligenz das Gesundheitswesen verändert.

Bei der DLD Health x BAIOSPHERE kamen über 500 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin und Politik zusammen, um genau diese Transformation zu diskutieren: Wie erkennen wir Krankheiten, bevor sie ausbrechen? Wie lernen Maschinen, was in unserem Gehirn passiert? Und wem gehören eigentlich unsere Daten oder eines Tages unsere Gedanken?

Erstmals luden Steffi Czerny und Alessia Sinzger gemeinsam als neue DLD-Doppelspitze zusammen mit Michael Klimke, CEO von BAIOSPHERE (AGENCY) zur Veranstaltung ein.

Den fachlichen Auftaktimpuls setzte Fabian Theis, Direktor des Computational Health Center an der Helmholtz Munich und Vorsitzender des Bayerischen KI-Rats. Seine Botschaft wurde zum Credo des Tages: Wir müssen von Sick Care zu Health Care kommen. Die Zukunft der Gesundheit brauche alle, KI-Forschung, Klinik und Unternehmertum gemeinsam. Den politischen Rahmen des Tages setzten Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Wissenschaftsminister Markus Blume. Beide machten deutlich: Technik und Technologie entscheiden heute über Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit. Söder betonte, dass es darum gehe, eine eigene Forschungsidentität aufzubauen und daraus Geschäftsmodelle zu entwickeln. Blume verwies auf das wirtschaftliche Gewicht des Themas: Der globale KI-Gesundheitsmarkt wächst laut aktuellen Prognosen auf 500 Milliarden Dollar bis 2032. Bayerns Antwort darauf ist konkret: Investitionen in Rechenkapazitäten, ein gemeinsames Foundation Model und die Bayerische Gesundheitscloud als Plattform für Patientendaten.

Markus Blume, Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst
Markus Blume, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, eröffnete die DLD Health x BAIOSPHERE | © Philipp Guelland for DLD / Burda
Steffi Czerny (DLD Founder & Co-CEO), Alessia Sinzger (DLD Co-CEO) at DLD Health x BAIOSPHERE
Steffi Czerny (DLD Founder & Co-CEO) und Alessia Sinzger | © Dominik Gigler for DLD / Hubert Burda Media
Dr. Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident, während seiner Eröffnungskeynote
Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident, während seiner Eröffnungskeynote | © Philipp Guelland for DLD / Burda

Die DLD Health x BAIOSPHERE vereinte Nobelpreisträger, KI-Pioniere und Entscheiderinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Neben Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume diskutierten Nobelpreisträger Ferenc Krausz, KI-Pionier Jürgen Schmidhuber, KI-Forscher Björn Ommer (LMU) sowie Susan Thomas von Google Health über die Zukunft von Gesundheit und Innovation. Den kulturellen Auftakt gestaltete Schauspieler Philipp Hochmair mit einer elektronischen Interpretation von Goethes „Erlkönig".

Ein Höhepunkt des Vormittags war die Keynote von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Er betonte die Bedeutung technologischer Innovationen für Gesundheit, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit und hob Bayerns Investitionen in Zukunftsfelder wie KI, Bio Life Sciences, Defense Tech sowie Luft- und Raumfahrt hervor.

Ein Meilenstein der Neurotechnologie: Michi Mehringer, Europas erster Mensch mit Tetraplegie und implantiertem Mikroelektroden-Brain-Computer-Interface. ,Michael (Michi) Mehringer und Simon Jacob (Professur für Translationale Neurotechnologie, TUM)
Ein Meilenstein der Neurotechnologie: Michi Mehringer, Europas erster Mensch mit Tetraplegie und implantiertem Mikroelektroden-Brain-Computer-Interface | © Philipp Guelland for DLD / Burda

Einer der bewegendsten Momente des Tages war das Panel zur Hirn-Computer-Schnittstelle. Erstmals standen Prof. Dr. Bernhard Meyer, Direktor der Neurochirurgie am TUM Klinikum, Prof. Dr. Simon Jacob, Professor für Translationale Neurotechnologie (TUM), und ihr Patient Michael Mehringer gemeinsam vor einem Publikum.

Mehringer ist vom Hals abwärts gelähmt. Im Juli 2025 wurde ihm als erstem Menschen in Europa ein Hirn-Computer-Interface mit 256 Mikroelektroden implantiert. Seitdem arbeitet er gemeinsam mit einem Team aus Neurowissenschaft, Neurochirurgie, Robotik und KI daran, durch seine Gedanken Schritt für Schritt mehr Kontrolle zurückzugewinnen. Meyer und Jacob sind in diesem Feld keine Unbekannten: Bereits 2022 implantierten sie einer Schlaganfallpatientin mit schwerer Aphasie weltweit erstmals ein solches Interface.

Videos der DLD Health x BAIOSPHERE

Highlights aus der BAIOSPHERE

  • Prof. Dr. Andreas Maier, Lehrstuhl für Mustererkennung, FAU Erlangen-Nürnberg (Mitglied Bayerischer KI-Rat) fragte in seinem Talk „What's Next in Medical AI?" und lieferte gleich die Antwort: agentic AI beschleunigt die Forschung radikal. Die Programmierung eines MRT-Scanners, für die bisher eine spezialisierte Physikausbildung nötig war, erledigt ein agentisches System heute in Minuten. Ein Lehrbuch, das vier Jahre Arbeit bedeutete, entstand in sechs Wochen. Was früher Jahre dauerte, geht heute in Wochen.

  • Prof. Dr. Björn Eskofier, Lehrstuhl für KI in der Medizin, LMU München (Mitglied Bayerischer KI-Rat) moderierte das Panel „Unleashing the Power of Health Data" mit Mervi Siltanen (Findata, Finnland) und Guillaume Wendt (Novartis Deutschland). Die Kernbotschaft: Europa sitzt auf einem der größten Gesundheitsdatenschätze der Welt, nutzt ihn aber noch nicht konsequent. Finnland zeigt mit Findata, wie zentraler, transparenter Datenzugang für die Forschung funktionieren kann. Bis 2029 soll jedes EU-Land eine vergleichbare Struktur haben. Einigkeit im Panel: Die Daten gehören den Patientinnen und Patienten, und wer bei der Nutzung zu langsam ist, verliert den Anschluss.

  • Prof. Dr. Julia Schnabel (TUM | Helmholtz Munich) und Prof. Dr. Carsten Marr (LMU | Helmholtz Munich) diskutierten im von Dr. Michael Klimke, CEO der Bayerischen KI-Agentur BAIOSPHERE, moderierten Panel „From Pixel to Patient" gemeinsam mit Dr. Jan Wöpking, Geschäftsführender Direktor der Munich Medicine Alliance M1, wie KI den Weg vom Labor in den Klinikalltag findet. Schnabel machte deutlich: KI verbindet erstmals Bilddaten, Patientenhistorie und genetische Informationen zu einem Gesamtbild und ermöglicht so die Entdeckung neuer Muster. Marr benannte das eigentliche Problem: nicht die Forschung, sondern die Umsetzung. Helmholtz beschäftigt dafür bereits fünf KI-Consultants, die gezielt die Brücke zwischen Wissenschaft und Klinikalltag bauen. Dr. Wöpking ergänzte: Die Munich Medicine Alliance M1 bringt LMU, TUM und die großen Münchner Kliniken erstmals strukturiert zusammen, mit dem Ziel eines gemeinsamen klinischen Datenzentrums. Schnabels Fazit: KI wird Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen, sondern als verlässlicher Copilot an ihrer Seite stehen.

  • Prof. Dr. Janina Beilner (Siemens) weitete den Blick auf eine oft unterschätzte Dimension: Gesundheitsversorgung ist kritische Infrastruktur. Die Gesundheitsbranche ist global die am häufigsten gehackte Industrie, und Pflegekräfte verbringen 72 Minuten pro Schicht mit der Suche nach Geräten statt mit Patientenversorgung. KI-gestützte Ortung halbiert diese Zeit bereits heute. Beilners Botschaft: Resiliente Gesundheitsversorgung beginnt nicht nur im Labor, sondern auch im Gebäude, im Stromnetz und im Alltag der Pflegenden.

Julia Schnabel (TUM/ Helmholtz Munich) im Gespräch mit Carsten Marr (LMU/ Helmholtz Munich), Jan Woepking (M1) und Michael Klimke, (Bayerische KI-Agentur/BAIOSPHERE AGENCY) | © Dominik Gigler for DLD / Hubert Burda Media
Julia Schnabel (TUM/ Helmholtz Munich) im Gespräch mit Carsten Marr (LMU/ Helmholtz Munich), Jan Woepking (M1) und Michael Klimke, (Bayerische KI-Agentur/BAIOSPHERE AGENCY) | © Dominik Gigler for DLD / Hubert Burda Media
Bjoern Eskofier, Director Institute for AI in Medicine at Ludwig-Maximilians-University Munich (LMU), Mervi Siltanen, Acting Director at the Finnish Social and Health Data Permit Authority Findata, and Guillaume Wendt, Evidence Generation Director of Norvatis Germany, at DLD Health x BAIOSPHERE
Björn Eskofier, Direktor des Instituts für KI in der Medizin, LMU, Mervi Siltanen, Geschäftsführende Direktorin der finnischen Gesundheitsdatenbehörde Findata, und Guillaume Wendt, Direktor Evidence Generation bei Novartis Deutschland | © Philipp Guelland for DLD / Burda

DLD Health x BAIOSPHERE

Im Fokus: aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der generativen Künstlichen Intelligenz. Von links nach rechts: Jakob von Lindern, Prof. Dr. Björn Ommer und Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber
Ein Meilenstein der Neurotechnologie: Michi Mehringer, Europas erster Mensch mit Tetraplegie und implantiertem Mikroelektroden-Brain-Computer-Interface. Michael (Michi) Mehringer und Simon Jacob (Professor für Translationale Neurotechnologie, TUM)
Isabell Welpe (TUM) auf der DLD Health x BAIOSPHERE
Prof. Dr. Matthias Tschöp (Präsident der LMU) während seiner Keynote "Overcoming Obesity: From Drug Discovery to Societal Impact"
Anna Bauer-Mehren (Roche Diagnostics/Bavarian AI Council), Tobias Heimann (Siemens Healthineers) und Konstantin Hemker (OpenAI) im Gespräch mit Journalistin und Podcast-Host Janne Knoedler.
Markus Blume, Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst
Networkingbereich auf der DLD Health x BAIOSPHERE
Carsten Marr (LMU/ Helmholtz Munich) Julia Schnabel (TUM/ Helmholtz Munich) Jan Woepking (M1) im Gespräch mit Michael Klimke, (Bayerische KI-Agentur/BAIOSPHERE AGENCY)

Diskussion über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz mit Prof. Dr. Björn Ommer und Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber

Ein Gespräch über den aktuellen Stand und die Zukunft der KI mit Jakob von Lindern, Prof. Dr. Björn Ommer und Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber (v. l. n. r.) | © Philipp Guelland for DLD / Burda